"Lara Croft vs. T-Rex" by Andrew Becraft via Flickr

“Lara Croft vs. T-Rex” by Andrew Becraft via Flickr

Ich muss dringend, nein, Moment, ich meine: D_R_I_N_G_E_N_D! über einen Genrewechsel nachdenken, wenn ich mit der Schriftstellerei Geld verdienen möchte!

Als Vorbild könnte mir beispielsweise Christie Sims dienen. Der Zufall hat mich auf einen etwas älteren Spiegel-Artikel aufmerksam gemacht, der das Geschäftsmodell von Christie Sims etwas näher betrachtet. Und was soll ich sagen? Nach kurzer Recherche bin ich vollkommen begeistert und werde nun den Anspruch an mein eigenes Schreiben entsprechend neu kalibrieren. Warum an Pegida, Islam und unserer Gesellschaft abarbeiten, wenn es auch einfacher geht? Weg mit aktuellen, politischen und kritischen Themen wie Neunundneunzig Namen und her mit Dino-Porn!

Wer Christie Sims noch nicht kennt, der kann gerne Amazon bemühen und wird schnell fündig werden. Damit man gleich weiß, woran man ist, sind Sims und ihre Mitautorin, Alara Branwen, so zuvorkommend und fügen jedem ihrer kuriosen Titel eine Genrebeschreibung hinzu. Hier eine kurze Zusammenstellung der Genres, in denen die beiden unterwegs sind, bzw. die sie ins Leben gerufen haben:

  • Dinosaur Erotica
  • Dinosaur Horror Erotica
  • Beast Mating Erotica
  • Orc Erotica
  • Dragon Erotica
  • Troll Erotica
  • Gay Werewolf Erotica
  • Centaur Pregnancy Erotica
  • Hydra Erotica
  • Male Human Female Dragon Erotica
  • Taboo Pregnant Ogre Erotca
  • Weretiger Erotica
  • Werelion Erotica
  • Lizard Man Erotica

Die Liste lässt sich endlos fortsetzen. Bestseller in der Kategorie Dinosaur Erotica sind beispielsweise: Taken by the T-Rex, Taken by the Pterodactyl und In the Velociraptor’s Nest. Geld sparen lässt sich dann mit der Kompilation When Dinosaurs Cum, die mehrere Dino-Porn-Stories vereint.

Dass kein sonderlich hoher Anspruch dahinter steht, ist irgendwie klar. Aber – meine Damen und Herren – Christie Sims verdient damit tatsächlich Geld. Taken by the T-Rex wurde in den USA von immerhin 54 Lesern rezensiert und das durchaus mit Wohlwollen und einer überraschend geringen Anzahl von Spaß-Rezensionen. Die Geschichten überschreiten selten 20 Seiten und kosten rund 1,00 EUR. Wenn man genug Fantasie hat, um die Genres auszuweiten, ließe sich im Wochentakt eine XYZ-Erotica-Story veröffentlichen. Und wie es aussieht: Es gibt reichlich Käufer.

Und tatsächlich: Sims und Branwen produzieren diese Geschichten zuhauf! 607 Ergebnisse zeigt Amazon.de an, wenn nach Christie Sims gesucht wird. Viele Geschichten gibt es sogar schon als Hörbücher. Die ersten Verfilmungen lassen sicherlich auch nicht mehr lange auf sich warten.

Also: Schluss mit seriöser Schreiberei, und ran an die eBook-Fantasy-Schmuddel-Erotik. Ich werde mich jetzt der Underwater Creature Erotica widmen und Nailed by the Swordfish schreiben. Oder vielleicht das Genre “Dystopian SciFi Robotic Kitchenware Erotica” kreieren mit der ersten Ausgabe von In Love With the Blender.

Ich werd mir aber wohl lieber ein Pseudonym zulegen. Wer weiß, vielleicht verbirgt sich hinter Sims ja in Wahrheit Ken Follett.

© “Lara Croft vs. T-Rex” by Andrew Becraft via Flickr

Nachtrag:

Hier gibt es übrigens ein Interview mit Christie Sims zu lesen und – zumindest wenn man ihr Glauben schenken darf – verdienen sie und ihre Branwen zusammen mehr als einer ihrer Freunde, der bei Boeing als Ingenieur arbeitet.


Jens Michael Volckmann

Jens-Michael Volckmann, geboren 1983, ist Regionalwissenschaftler, engagiert sich in der Suchtprävention für Kinder und Jugendliche, und hatte schon immer eine Vorliebe für das Erzählen von Geschichten. Mit seiner Frau und seinen zwei Kindern lebt er in Berlin, und arbeitet neben dem Studium an weiteren Kurzgeschichten und seinem ersten Roman. Bleiben Sie auf dem Laufenden: facebook.com/JMVolckmann und @JMVolckmann auf twitter. Seine erste Kurzgeschichte "Neundundneunzig Namen" wurde im September 2014 im deutschsprachigen Kindle-Singles-Store bei Amazon.de veröffentlicht.

6 Comments

Marga · 22. 01. 2015 at 13:15

Ich glaube, ich habe/hätte an Deinen Rezessionen mehr Freude, als am tatsächlichen Text.
Wissen tu ich es nicht, verifizieren auch nicht.
Freude haben schon.

    Jens Michael Volckmann · 22. 01. 2015 at 13:22

    Für einen kurzen Augenblick habe ich auch überlegt, dafür 1,02 EUR auszugeben, aber ich habe mich noch zügeln können. Die Bücher sind übrigens so “erfolgreich”, dass es schon Übersetzungen ins Deutsche gibt (oder vielleicht wurde auch nur der Google-Übersetzer genutzt). Vielleicht werd ich doch mal einen Blick in so ein Buch werfen 🙂 Wenn, dann teile ich die Freude hier natürlich.

Ben Froehlich · 22. 01. 2015 at 15:40

Na großartig, gestern noch hatte ich Lust auf Jurassic Park und nun ist von Lust nichts mehr zu spüren. Es ist allerdings auch bemerkenswert, worauf wir Menschen Erotik übertragen können. Mir ist ja schon bekannt, dass es objektophile Menschen gibt, aber dinophile…man lernt nie aus.

    Jens Michael Volckmann · 22. 01. 2015 at 17:18

    Aber der erotische Hauch bei Jurassic Park wird wohl kein geringer sein, denn schließlich hat Sir Richard Attenborough “weder Kosten noch Mühen gescheut”, wenn ich mich recht entsinne. Aber ich stimme Dir zu, es ist schon minimal schräg. Wobei ich eher darauf tippe, dass die Kaufentscheidung nicht von Dinophilie, sondern von der Hoffnung auf humorvolle Unterhaltung getrieben wurde. Zumindest hoffe ich das.

    Marga · 23. 01. 2015 at 09:16

    Jens, ich würde es hoffen aber nicht darauf wetten…

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